gabriel riquelme
← Schmerz

All die Versuchung

all die warm und süß duftende
die auf heißem Feuer zischend
köstlich bratenden Genüsse
all die Wärme die von innen glimmt
all die kühle die so frisch da in mir rinnt
diese funkelnden blitzenden Lichter
mit Geschichten voll der Ferne
voll Abenteuer Stärke Mut
An Orten fern wie Sterne
die Entspannung im sich geben
im vergessen des Moments
Das loslassen all der Zwänge
in diesem Rausch der so enthemmt
Diese Freiheit ohne Reue
Das aufgeben all der Lasten
dieser Tausch
von Frust und Schmerz und Einsamkeit
gegen wohlig lüstern warm Genüsse
gegen all der Schönheit Köstlichkeiten
die so einfach sich uns erbieten
die auf uns warten in all dem Überfluss
so leicht und glitzernd
verführerisch verhüllt
in tausende versprechen
von Frieden Glück und Seligkeit
der Einfachheit des Lebens
im ewigen exzess

doch

erinnerst du dich
weißt du noch wie es war?
Diese Momente des Erwachens
des verblassens, der Ernüchterung
der abgesang des Rausches
wenn die kalten Hände
sich in dir wieder strecken
wieder langsam greifen
und mit frostigen Fingern
über die Wände deiner Seele streichen
wenn die leere wieder wächst
und in stillem Rauschen ihren Nebel wirft
der kühl und hart und trocken
das funkeln deiner Augen trinkt
dein Lachen in sich saugt
und deinen freien Atem drückt
wenn dieses Meer an Einsamkeit
seine tosend wilden Wellen
über deinem Herz zum Einsturz bringt
weißt du noch?

Ich fliehe wie du
und fliege mit den vögeln des Rausches
durch all die rosa Wolken
durch die Regenbögen aus Lust und Gier
durch offne Fenster all der Schlösser
Dieser luftgebilde meines Wahns
sinke dann hinab
in diese See aus Schmerz und Trauer
um mit bittrem Mund
voll Schlamm und Schlacke
aus eiternd alten Wunden
aufzutauchen und zu atmen
was ich bin und was ich war
g.r.KölnSchmerz