gabriel riquelme
← Schmerz

Ich schmecke den staub auf meiner zunge

Graue wolken smog strömen heiß aus meiner lunge
Meine haut ist kochend wie frischer asphalt
Meine augen grau, verschlossen und kalt
Meine sinne fiebrig, müde und alt
Das herz schlägt schwanger von wut, angst und gewalt
Doch die seele bleibt kahl wie ein leeres fenster
In der sie sich spiegeln
die funkelnden versprechen elektronischer gespenster
In der sie sich wiegeln
die dunkelnden verbrechen patriotischer gangster
Wie ein display sind sie selber nichts zu sagen
Immer nur antwort, keine echten fragen

Mein frierendes herz pumpt voller schmerz
Zerborsten, gesplittert wie brüchiges erz
Die angst in mir wie eine klebrige spinne
Dunkel und giftig betäubt sie die sinne
Und spricht mit betörend leiser und sinnlicher stimme
Und verspricht verstörender weise mir sichere gewinne

Sie lacht meiner schwäche und ehrlichkeit labilität
sagt meine zärtlichkeit sei zu fragiles gerät
um den sprung in die offenheit zu wagen
um mein leid und mich selbst mit stolz zu tragen
Mich selbst zu sehen, mich selbst zu lieben
Zu begegnen diesen konditionierten wünschen und trieben
Zu vertrauen auf mich und dich und das was komme
Zu glauben an dich und mich und all die wonne

Zu erkennen, dass der schmerz teil des kreises ist
Man ihn nicht als des scheiterns beweises misst
Sondern als die bisswunden all unsrer dämonen
Als beißende vorzeichen und blutig visionen
Einer zukunft die da in uns strahlt
Deren ankunft preis man dadurch zahlt
Dass man seiner schatten ehrlich ist
Und seine makel und fehler nicht vergisst
g.r.KölnSchmerz