gabriel riquelme
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Es regnet - stundenlang

die Tropfen schlagen auf den Stein
platzen sich in tausend Partikel teilend
und sich wieder einend
in den Pfützen um mich rum

Seit Stunden schau ich sie
warte auf die Sonne
Verstecke mich vorm Wind
Harre in der Nacht
ohne Dunkelheit und Träume

weißt du was feucht ist
Wie der Regen klingt
wenn er auf den Asphalt schlägt
kennst du den Geruch der Straße
den Geruch von kalter Pappe
aufgeweicht im regen
den Gestank der Feuchtigkeit der Kleider
nach wochen ohne Sonne

Hörst du den Wind
diesen Klang des Lebens
als den laut des Atems
Dieses kranke röcheln
Deiner Brüder und schwestern
die im Nachtasyl auf ihren Matten
Versoffen jammernd träumen

du sagst du kennst ihren Geruch
du kennst diese Stadt und ihr Gesicht?
im Sommer vielleicht
wenn du nachts
durch die Straßen streifst

aber kennst du ihn im Herbst,
den Geschmack des Winters
wie er klingt in der Luft
wie die Kälte ihre Töne webt
wie das Eis sich malt
auf den harten Teer

Ich kenne sie nicht - deine welt
doch ich erinner mich
an diese Ländereien
Warm und weich
der Himmel Aus Daunen
voller frische die sich
Versteckt im Geruch der Laken
Und darauf wartet
sich zerschlafen zu lassen

Diese Landschaften der Behaglichkeit
Die sich so weit erstrecken
zwischen küche, Flur und Bad
Ein Kühlschrank für deine Lust
nach dem Ersatz für liebe
eine Dusche für dein erinnern
an die Innigkeit einer Umarmung
vielleicht auch für das abwaschen
dieser Erniedrigung, dem Schmerz
Ich erinnere mich daran

Und du?
Erinnerst du dich an mich
an meine Stimme mein Gesicht
vlt an meinem Gestank
an meine eklig blutend Wunden

du siehst sie nicht - meine Welt
Und wir laufen jeden Tag dieselben Straßen
schlafen unter dem selben Himmel
schwitzen in der selben Stadt

doch da wo du lebst
da bin ich unwillkommen unsichtbar
und da wo ich leb
da bist du ein ungesehner gast

ich leb jeden Tag
in dieser unsichtbaren Landschaft
am gleich Ort zur gleichen Zeit
wie du
g.r.KölnGesellschaft