gabriel riquelme
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El dios de la naturaleza

du siehst mich als ein schmetterling im flug von blatt zu blatt
als faultier das am baume hing, vollgefressen, rund und satt
als krokus im ersten sonnenlicht
der durch des winters dichte decke bricht
doch bin ich auch hyäne, ratte und der geier
die kommen zu des todes opferfeier

ich bin der tosend wilde wasserfall
des löwen brüllen und sein widerhall
ich ström in silbrig schwärmen durch die meere
galoppier die savanne als rasend staubig braune heere
mit flinkstem winzig flügelschlag siehst mich der blüten nektar naschen
magst als nächtig katze einen blick auf mich erhaschen
bin in all den milliarden blättern und jedem baum
in all den lachend schönen knospen der bunten wiesen blütensaum

bin der zerfleischende panther und das gerissene gnu
ich spiele mir im wachsen und vergehen zu
bin all die kakerlaken, käfer, würmer, wanzen
die wie im reigen dieser schöpfung tanzen
in dem der kleine lebt durch des großen tod im ganzen
in dem der kleine lebt um den großen fortzupflanzen

bin all die farben im hochzeitskleid des pfau
der regenbogen in den tropfen jeden blattes morgentau
das zirpen der grillen wenn die nacht beginnt
das rauschen der bäume sich wiegend im wind

und

hier sprech ich - zu euch
in euren lauten - zu euch
die ihr mich vergessen habt
die ihr euch vermessen labt

an meinen kindern, meinen gaben
die ihr wie des todes gier’ge raben
euch zerfleddernd auf mein wesen stürzt
und verächtlich eure lippen schürzt
sollt einer je benennen
dass all euer morden, euer brennen
all das vernichten, all das schlachten
euer stetig dem profit nur trachten
eure ganze habgier und gewalt
euch macht so einsam, bitter, kalt

ihr strebt nur der sicherheit entgegen
die nichts als tod wird euch nur geben
und tod ist das was ihr mir bringt
wie ihr mir all mein erz entringt
dass euch nicht bald das herz zerspringt
bei all dem leid, dem schmerz, dem müll
hinter euch bleiben all die wälder still
still und tot
ihr leert die meere, färbt sie rot
von all der wesen blut die ihr vernichtet
ihr kommt, ihr nehmt und richtet
als wärt ihr schöpfer
doch seid ihr schlächter
schändet meine kinder – schändet mich
vergewaltigt das was ich schon ewiglich
für uns alle hab geschaffen
das reißt ihr in eurem raffen
in so kurzer zeit hernieder
nehmt alles - gebt nichts wieder

ihr seid wie krebs – ein gewucher voller gier
dem schorfig eiter gereichte schon zur zier
konsumierend, blind die eigene leere füllend
akzeptierend, stumpf das eigene leiden stillend
sich abzulenken von all den nöten
sich an sich raffend selber tötend

ich bin die natur
ich bin die wahrheit
bin das was ihr kopiert
für euer leben on demand
ihr werft auf mich eure sehnsucht, eure ängste
macht mich zu euren träumen, eurem alp
ohne zu sehen was ich bin

ihr flieht wandel, ebbe, flut, dem ewig auf und nieder
zerbrecht der schöpfung werke feinst geglieder
würdet ihr euch trauen
zu lieben und zu schauen
statt zu verbrennen zu erkennen
dass ihr auch meine kinder seid
dass wir seit einer ewigkeit
verbunden sind im spiel des lebens
des ewig nehmens - gebens

doch aus angst dass ihr nicht göttlich seid
habt ihr euch mir selbst entzweit

ich bin das große im kleinsten
das schmutzkorn im reinsten
des lebens barer widerspruch
deiner menschlich logik sinnesbruch
bin das kleine im größten
in dem sich all die dinge schon entblößten
um einfach nur sie selbst zu sein
ehrlich, zart und fein

ich bin all das was du je sehen wirst
denn all dein schaffen stammt aus mir
auch wenn du diese wahrheit niemals sehen willst
und sagst dieses leben sei nur dir
doch du und ich wir sind ein ganzes
ein kreislauf in des lebens tanzes
g.r.KölnGesellschaft