gabriel riquelme
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Jeden tag seh ich news

von noch mehr toten menschen
noch mehr krieg noch mehr leichen
ich seh armut jeden tag
seh alte menschen betteln
junge menschen gebrochen irre
liegen in hauseingängen, parks und schlafen
im regen im dreck zugepisst und krank
ich seh kinder von zehn jahren
dealen auf der straße
geflohen über tausend meilen
teils zu fuß und ohne eltern

und hier
sind sie allein gelassen scheißegal
fünf betreuer auf hundert kids
sie sprechen nichtmal ihre sprache
und die jungs stehen einsam
nachts auf diesen straßen
und wie nennt sie doch die deutsche leitkultur
kleine paschas nafris talahon

ich seh alte menschen mit plastiktüten
suchend im müll mit bloßer hand
nach pfand als plus zur rente
so viele einsam alt
isoliert verlassen sterbend

und wovon redet heut der deutsche staat
von noch mehr kürzung und sozialabbau
dieser kampf gegen armut
ist längst was er schon immer war
ein kampf gegen kranke, alte, schwache
alle die die nicht mehr funktionieren
all die die nicht verwertbar sind
und das was der neoliberale staat erzeugt
ist noch mehr armut noch mehr leid und elend

und statt dem strukturell dann zu begegnen
tritt die politik nach unten
aus verantwortung und mitgefühl
wird klassenkampf von oben
ob grün ob rot ob gelb und schwarz
die struktur macht scheinbar alle gleich
noch mehr geld und macht für die
die genug davon schon haben
mehr macht, mehr geld, mehr sicherheit
für all die sylter milliardäre
die mit söder fleißig saufen

und währenddessen
wird das feindbild weiter inszeniert
der kanacke der migrant
ist der urgrund aller schuld
also wird das asylrecht weiter abgebaut - grenzen schnell geschlossen
menschenrechte werden immer mehr
zu einer frage nur des bluts
und unser blut wird immer mehr
der preis fürs recht auf leben
wir hören nur noch jeden tag
in emotional gefärbtem nationalgewand
die kalte logik der verwertung

rechte diskurse werden immer mehr
die sprache der nation
so wird auch dann der alltag immer mehr
eine frage nur des überlebens
das leben selbst wird ein ding
des ertragens des unerträglichen
unerträgliche lügen und hohle phrasen
von politikern und mächtigen
haben jeglichen sinn und jeden bezug
zum leben der menschen komplett verloren
sie schaffen apparate die lediglich
den eigenen diskurs und die eigene macht
sichern schützen zementieren

und
das recht auf leben von allen die nicht weiß
es ist egal
es ist verwirkt
im namen einer staatsräson
die solidarität zeigt mit faschisten
die auslöschung tausender menschen
leben von frauen kindern alten
familien, ganzen dörfern städten und gemeinden
es ist egal

und es geht weiter jeden tag
wie ein labor haben sie den genozid genutzt
wie chile 73 wo meine leute als ratten
des neoliberal faschistischen regimes
gehalten getestet und geprüft
welches dann als washington consensus
die gesamte welt überrollte
so ist dieses mal das schlachtfeld in gaza
das labor für den nun folgenden kreuzzug

doch es ist egal
der westen steht und schweigt
nicht nur das - er sendet geld und sendet waffen
kriminalisiert kritik und macht sich stark
als polizeistaat durch und durch
im namen dieser staatsräson
jagt er kinder mit polizeisoldaten
treibt sie in handschellen über die straßen und in wilder hatz über unsere plätze
und durch die bilder in unseren köpfen

und in fast allen medien schreiben sie die lieder
der propaganda fleißig ab
polizeiberichte eins zu eins
keine fragen an die macht
betreiben weiter rechte hetze
fordern noch mehr sicherheit für das deutsche volk
aus angst aber vor wem?

die antwort schwester das sag ich dir
die antwort die sind wir
den bruder vater mutter kind
wir sind ihrer alpträume guter grund
nicht weil wir dreckig bös gar moslems sind
oder weil wir rauben stehlen morden

sondern weil wir träumen weinen schreien
im kampf für gerechtigkeit uns sorgen
und weil wir in solidarität und einigkeit
die kraft eines großen wandels sind
wenn wir uns einen hand in hand
vielleicht gibt’s dann doch ein morgen

wenn wir uns trauen nur zu sprechen
unsere träume laut zu sagen
wir uns feiern und uns lieben
als all das was wir sind
solidarisch kämpfend arm in arm
stehen wir brennend strahlend leuchtend hell
im fackelschein der barrikaden
und entzünden das feuer der veränderung
an den flammen unsrer herzen
g.r.KölnGesellschaft