gabriel riquelme
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All die Linien klare formen

All der Stahl und all das Glas
Die ganze Welt ist voller Stein
Voller härte, kälte, kanten
Glitzernd, Bunt und schrill

All die romantik all die sehnsucht
um die schluchten dieser straßen
Ist’s nicht die weite diese freiheit
die wir vermissen und vergaßen

das unsagbar viele dieser welt
all das leben all das sterben
all der einklang all das ende
dieser kreislauf dieser schöpfung
niemals gleich und immer wieder

Wo seid ihr täler, gipfel, wälder
All ihr wiesen, flüsse, felder
All das rauschen all der blätter
ihr gesang so frei im wind
das murmeln seicht des regens
der flüsternd leise rinnt

und dann der urgrund aller klänge
die herrin der gesänge
die stille - unsre quelle
warm und offen
voller tiefe, voller leben

das feuer dessen flammen
wild und ungezügelt
lecken, zehrend züngeln
spielend sich gestalten
beißen fressen kreischen

das meer so weit und frei
wogt und wiegt sich
quillt und dringt
als unermesslich tiefe tiefe
als rinnsaal fein wie seide
als regentropfen kuss aus wasser
als welle urmacht gewalt und tod

der wind in seinem spiel
der unendlich weiten wege
voll von nichts
nur aus luft und voller kraft
hier so voll des regens
dort so voll des lichts

die erde unser mutter
fruchtbar köstlich dicht und wild
wächst gedeiht und keimt und knospet
in kärgsten kluften wüsten gleich
hütet sie noch ihre schätze
überall ist leben, unfassbar reich

all die blumen deren blüten
voller farben singen uns ihr lied
deren duft und deren leuchten
uns verführen und beglücken
so ohne preis so ohne ziel
einfach da und einfach viel

All dies fehlen all die schmerzen
Die uns drängen dringen quälen
Uns geschichten nur erzählen
Voller härte und voll von gier
Immer damals, morgen stets woanders
Niemals jetzt und niemals hier

Und wie oft wir doch schon flossen
in unsrem suchen unsrem streben
in die flucht, die nacht, die sucht
raus aus diesem kerker
diesem kahlen eisern knast
immer eilig immer zwingend
ohne ruhe und ohne rast

aus angst vor stille suchen wir den lärm
zu übertönen das geschwärm
das da in uns bittet ruft und klagt
all die gefühle all die schmerzen
diese bittre eitrig melodie
ist ein schreckenschrei der herzen
des molochs blutig dystopie

doch die stille die wir fürchten
ist nicht der klang der uns umgibt
es ist der dämon unsrer träume
von fortschritt reichtum und profit
g.r.KölnGesellschaft